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Ninja
Wenn wir das Wort „Ninja“ hören, dann denken wir an Bilder von schwarzgekleideten Schattenkriegern, die agil und lautlos ihre Feinde töten und dann wieder im Dunkel der Nacht verschwinden. Mehr weiss kaum jemand über diese Krieger, die in Actionfilmen beliebte Feindfiguren darstellen.
Doch was sind „Ninja“ wirklich? Das Wort „Ninja“ wird in zwei Kanji-Zeichen geschrieben, wobei das erste Schriftzeichen aus den Symbolen für Klinge und Herz besteht, das zweite Schriftzeichen bedeutet Person. Damit soll ausgedrückt werden, dass das Herz die Klinge zu beherrschen vermag.
„Ninja“ werden oft auch „Shinobi“ genannt, was auf die Fähigkeit anspielt, sich lautlos zu bewegen.
Die Ursprünge der „Ninjas“ liegen in China. In Japan kennt man sie seit dem 7. Jahrhundert n.Chr. Die Aufgaben von „Ninjas“ lassen sich mit denen heutiger Geheimagenten vergleichen: „Ninjas“ waren Kundschafter, Spione, Auftragskiller und erstklassige Einzelkämpfer. Ähnlich wie bei den Samurai war der Begriff „Ninja“ nicht allein eine Berufsbezeichnung, echter „Ninja“ war man nur als Mitglied bestimmter Familien oder Clans. Dabei waren die Übergänge fliessend, ein „Ninja“ konnte aus einer reichen Familie stammen, die vornehmlich starke Samurai-Krieger hervorbrachte, ein anderer „ Ninja“ konnte in Friedenszeiten als normaler Bauer leben. Auch weibliche „Ninja“ gab es.
Hohes Ansehen genossen die „Ninja“ unter den Feldherren dank ihrer besonderen Fähigkeiten. Nicht umsonst hatte Sun-Tzu in seinem berühmten Kriegswerk die Notwendigkeit von Spionen (inklusive der besten Bezahlung für diese Spione) hervorgehoben. Doch auch die Bevölkerung hatte viel für die Schattenkrieger übrig. In einigen Provinzen raubten „Ninja“ sogar in Robin-Hood-Manier die Reichen aus und gaben ihre Beute den Armen.
Die Kampfkunst der „Ninja“ wird unter dem Namen“ Ninjutsu“ zusammengefasst. Sie beinhaltet nicht nur die Kunst des waffenloses Kampfes „Taijutsu“ (der anders als Judo oder Karate auf den bedingungslosen Sieg ohne Regeln ausgerichtet wird) und die Beherrschung der verschiedenen Waffen, sondern auch wissenschaftliche und philosophische Lehren. „Ninja“ waren oft sehr begeistert von Naturheilkunde und von Chemie (Sprengstoffe) und schöpfen aus spirituellen und religiösen Erfahrungen innere Ruhe und Kraft. Ihre Bildung machte es möglich, sie in Friedenszeiten zu zivilen Aufgaben einzusetzen.
Was die Waffen anbelangt, waren „Ninja“ wenig traditionell gebunden. Sie benutzen als Waffe was für sie geeignet schien. Währen die Samurai ihre Schwerter wie wahre Schätze behandelten, und sie in der Familie weiter vererbten, zögerten die „Ninja“ nicht, die Klingen ihrer Schwerter zu kürzen, um damit besser Kämpfen zu können! Nicht selten waren die Schwerter multifunktional und konnten auch als Kletterwerkzeug benutzt werden. Während im Griff z.B. Medizin versteckt worden ist. Die „Ninja“ waren auch die ersten Japaner, welche die von den Portugiesen eingeführten Gewehre für Attentate benutzten, noch bevor diese Waffen in Schlachten eingesetzt wurden.
Ihre Bekleidung war übrigens kein schwarzer Anzug, denn mit solchen Sachen wären sie zu sehr aufgefallen. Ihr dunkelgrauer oder grau-weisser „Ninja-Anzug“ wurde nur selten getragen, denn in diesem Aufzug hätte man sie sofort als „Ninja“ erkannt und hingerichtet. Deshalb trugen sie meistens normale Bauernkleidung und getarnte Waffen.
Wie ausdauernd die „Ninja“ sein konnten, um ihren Auftrag erfolgreich auszuführen, erzählt eine Anekdote: Der Feldherr Uesugi Kenshin lieferte sich seinem Widersacher Takeda Shingen fünf ergebnislose Schlachten. Plötzlich starb dann Kenshin im Jahre 1582 unter mysteriösen Umständen. Ein „Ninja“ soll ihn ermordet haben- auf einer Laterne, wo dieser tagelang versteckt auf sein Opfer gewartet hatte.
Ob diese Geschichte stimmt, ist ungewiss. Jedoch zeigt sie, welche Beharrlichkeit den „Ninja“ nachgesagt wurde, und sie beeindruckt bis in die heutige Zeit.